Optimale Methodenkombination für das interkulturelle Training

Jan 24th, 2014 | By | Category: Interkulturelles Blog

Aus der methodischen Perspektive sollen bei der Vermittlung der interkulturellen Handlungskompetenz im Rahmen eines Trainings kognitive, verhaltensorientierte und affektive Dimensionen des Lernens berücksichtigt werden (vgl. Fowler,Blohm 2004:24).

So gestalte ich das interkulturelle Training:

Diesem Konzept zufolge wird in jeder Trainingseinheit das theoretische, faktische Wissen (Beantwortung von Warum-Fragen) mit praktischen Übungseinheiten (Beantwortung von Wie-Fragen) untermauert. Bei der Festlegung von affektiven Lernzielen strebe ich an, Reflexion eigener Handlungen und Erfahrungsaustausch in der Gruppe zu initiieren, um die Einstellung zu der neuen Kultur positiv zu beeinflussen und Offenheit für das Neue zu stimulieren.

Auf diese Art und Weiße wird  jeder Trainingseinheit ein ausgewogenes Methodenmix zugrunde gelegt, das möglichst übergreifend unterschiedliche Lernstile der Teilnehmer berücksichtigen kann.

So berücksichtige ich unterschiedliche Lernstile der Teilnehmer in einem interkulturellen Training:

In Anlehnung an die Lerntypklassifikation von Kolb (1976) und Honey/Mumford (1992) wird die Methodenauswahl folgenderweise vorgenommen.

Für den Lerntyp „Nachdenker“, der am meisten durch reflektierte Auseinandersetzung lernt und aus Daten und Fakten induktiv Theorien und Schlußfolgerungen ableitet, sollen fundierte Vorträge mit Visualisierungen und Power-Point Präsentationen gewählt werden. Auch die Wahl einer individuellen Arbeit auf der Basis von einem detaillierten Case-Study erscheint für diesen Lerntyp sinnvoll.

Diese Methoden sind auch gut geeignet für den Lerntyp „Theoretiker“, welcher in erster Linie konzeptionell und deduktiv lernt. Auch im Rahmen der Gruppearbeit, die dazu dienen soll, ein Konzept (Zusammenfassung, Modell, etc.) zu erarbeiten wird dieser Lerntyp gerne seine konzeptionelle Sicht einbringen.

Da der Lerntyp „Aktivist“ vor allem durch konkrete Erfahrung lernt und auch die Vorstellungskraft besitzt, um konkrete Situationen aus vielen Perspektiven zu betrachten, soll es für ihn die Möglichkeit geben, praxisrelevante Fall-Beispiele und Case Studies mit den Kollegen im Rahmen einer Gruppenarbeit zu diskutieren. Darüber hinaus sind moderierte Diskussionen auf der Grundlage von konkreten Fall-Beispielen  für diesen Lerntyp sinnvoll.

Der Lerntyp „Pragmatiker“ lernt noch mehr durch konkrete Erfahrung und aktives Experimentieren und kann dabei intuitiv Problemlösungen erarbeiten, so dass für diesen Lerntyp ausreichend Rollenspiele und Simulationen angeboten werden sollen.

Als Trainerin gehe ich mit Sicherheit davon aus, dass in jeder Gruppe unterschiedliche Lerntypen (durchaus gemischter Natur) präsent sind, und versuche bei jedem Training mehrere Methoden (Methodenmix) aktiv zu nutzen. Dabei richte ich mich bei jeder Trainingseinheit an die von Niggemann (1977:153) vorgeschlagene Formel effektiven Lernens: Hören + Sehen + Reden + Tun.

Literatur:

– Honey, P., Mumford, A. (1992): The Manual of Learning Styles. Maidenhead: Berkshire.
– Fowler, S. and J. Blohm (2004): “An analysis of methods for intercultural training”. In: Landis, D., Bennett,J., Bennett, M.(Hrsg.), Handbook of Intercultural Training, 37-84. Thousand Oaks, CA: Sage.
– Kolb, D. A. (1976): The Learning Style Inventory: Technical Manual. Boston, Ma.: McBer.
– Niggemann, W. (1977): Praxis der Erwachsenenbildung. Freiburg.

Author: Dr. Irina I. Baeuerle